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Heidelberger Stückemarkt 2003


Ralf-Günter Krolkiewicz

Viel Rauch und ein kleines Häufchen Asche

2 H oder größer besetzt

 06.05.2003, Szenische Lesung, Heidelberger Stückemarkt UA – frei –

Ralf-Günter Krolkiewicz wurde am 19.11.1955 in Erfurt /Thüringen geboren. Im Anschluss an eine Ausbildung zum Elektroniker absolvierte er ein Schauspielstudium. 1979–1984 arbeitete Krolkiewicz als Schauspieler und Regisseur am Hans-Otto-Theater in Potsdam. Nach der Inhaftierung durch die Staatssicherheit 1984 wird er 1985 in die BRD abgeschoben. Es folgen Engagements in Köln, Gießen, München, Esslingen, Augsburg und Oberhausen, Regiearbeiten und Aufführungen eigener Dramatisierungen, u.a. nach Kisch, Capek, Dickens. Seit 1996 lebt Krolkiewicz wieder in Potsdam, wo er von 1997 an das Hans-Otto-Theater leitet. Neben Theaterstücken verfasst Krolkiewicz auch Prosatexte.

In seinem Stück ”Viel Rauch und ein kleines Häufchen Asche” erzählt Krolkiewicz nicht nur das exemplarische Schicksal einer Flucht von Ost nach West, sondern verdeutlicht auch, welche Spuren diese Erfahrungen bei den Familienangehörigen und Nachkommen der Opfer hinterlassen haben. So entsteht eine Geschichte, in der ”jede Figur ihre eigene Wahrheit hat, die mit der Wahrheit der anderen nichts oder nur wenig gemein hat, schon gar nichts mit einer absoluten Wahrheit. [...] Wer redet, hat Recht. Wer überlebt, auch. Schuld und Unschuld sind in diesen Zeiten kaum voneinander zu unterscheiden.” (R.-G. Krolkiewicz) Ein wichtiges und spannendes Stück über ein Thema, das lange um Interesse und Akzeptanz gerungen hat.

Zum Inhalt:
Eine junge Frau, aufgewachsen in Ostpreußen und als Magd an einem Gutshof schon früh Mutter eines unehelichen Kindes, wird zusammen mit vielen anderen durch die sowjetischen Truppen aus ihrer Heimat vertrieben. Nach den unvorstellbaren Entbehrungen auf der Flucht lässt sie sich schließlich ohne ihren Sohn, den sie in ihrer Heimat in Pflege gab, in der Sowjetischen Besatzungszone nieder, um ein scheinbar normales Leben zu führen. Es gelingt ihr jedoch nicht, sich von den Erinnerungen an damals frei zu machen. Ihr Mann, mit dem sie inzwischen eine neue Familie gegründet hat, ist ihr dabei keine Stütze. Da er als Grenzsoldat am Eisernen Vorhang von seiner Schusswaffe Gebrauch gemacht hat, kommt er zunehmend in Bedrängnis. Die Geschichte der Familie wird leitmotivisch unterbrochen von den Begegnungen mit einer rätselhaften Zigeunerin, die die Zukunft in verschlüsselten Aussagen vorwegnimmt. Rückblickend ziehen die Beteiligten eine Bilanz ihres Lebens, das in besonderer Weise mit den zentralen Aspekten der jüngeren deutschen Geschichte verwoben ist. Krolkiewicz würdigt damit in sprachgewaltigen Bildern die Opfer der Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten.

 

 

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